Mein Kind wechselt im Handgebrauch, was nun?

Wechselt Ihr Kind im Handgebrauch, gilt es eine Beeinflussung zu einer Seite zu verhindern.  Man sollte nie unterschätzen, dass wir in einer von Rechtshänderinnen/ Rechtshändern dominierten Welt leben. Es gibt viele kulturelle und religiöse Einflüsse auf Händigkeit. Das heißt, es gibt sehr viele Beeinflussungen durch Gegenstände, unsere Sprache oder Rituale auf rechts. Daher geschieht eine Beeinflussung meist heute noch eher zur rechten Seite.

 

Besonders sensible Kinder, die sehr "feine Antennen" besitzen und viel beobachten, um alles "richtig zu machen", schulen sich nicht selten selbst um. Die Nutzung der nicht dominanten Hand kann jedoch eine starke Belastung fürs Gehirn sein.

Frau Sattler, von der "Ersten deutschen Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder e.V.", benennt in Ihrem Buch "Der umgeschulte Linkshänder oder der Knoten im Gehirn" mögliche Primär- und Sekundärfolgen, die bei einer Umschulung auf die nicht dominante Hand auftreten können.

 

Primärfolgen durch Umschulung:

  • feinmotorische Probleme
  • Rechts- Links - Labilität
  • Lese- Rechtschreibschwäche
  • Konzentrationsschwierigkeiten und/ oder Gedächtnisstörungen (z.B. beim Abrufen von Lerninhalten)
  • Sprachstörungen Stammeln oder Stottern

 

Sekundärfolgen durch Umschulung:

  • Minderwertigkeitsgefühle
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • Unsicherheit/ Zurückgezogenheit
  • Überkompensation durch erhöhten Leistungseinsatz
  • Überbelastungssymptomatiken (wie beispielsweise Einnässen, Nägel kauen, Kopfschmerzen u.ä.)

 

Schauen Sie Ihrem Kind bewusst auf die Hände. Welche Hand führt die feinmotorischen Tätigkeiten (z.B. Perlen aufstecken, im Sand spielen, mit kleinen Figuren spielen, kleine Steine kicken) wirklich aus?

 

Falls Sie in Ihren Beobachtungen nicht weiterkommen und sich keine "wirklich eindeutige Händigkeit für Sie erkennen lässt", die, nach heutigem Wissensstand von Geburt an vorliegt, könnte  es sinnvoll sein eine Händigkeitstestung nach der Methodik Dr. Sattler durchzuführen.

 

Dieser dauert ca. 1 1/2 bis 2 Stunden. Die Testung ist für Kinder konzipiert, kann aber auch bei einer unklaren Händigkeit bei Erwachsenen genutzt werden. Vorab wird in einem Anamnesegespräch (ca. 1/2 Stunde, telefonisch möglich) nach dem Verlauf der Schwangerschaft, der Geburt, der kindlichen Entwicklung bis zum aktuellen Zeitpunkt gefragt. Der Test wird per Video aufgezeichnet. Dies dient zum einen zur Reflexion nach dem eigentlichen Test, um einzelne Sequenzen nochmals genauer "unter die Lupe" nehmen zu können, andererseits kann nachträglich bei Unklarheiten darauf zurückgegriffen werden.  Der Test wird nach der Methodik Dr. Johanna Barbara Sattler durchgeführt. Es ist ein standardisierter Beobachtungstest, der nicht nur die quantitative, sondern besonders auch die qualitative Leistung der Hände untersucht. Beobachtet werden hierbei:

 

1. Sehr spontane, von der Erziehung/ Umwelt nicht bzw. kaum geprägte Tätigkeiten

2. Durch Erziehung und Nachahmung geprägte und beeinflusste Tätigkeiten

3. Durch technische Vorrichtungen geprägte Tätigkeiten und fehlende Produkte für Linkshänderinnen und Linkshänder

 

© Sylvia Riegel 2019

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